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SUMMARY:Moderne Kunst als Lebensaufgabe
DESCRIPTION:Die moralischen Erwartungen an Künstler*innen haben in der Geg
 enwart an Gewicht gewonnen und werden mitunter gegen die künstlerische Au
 tonomie aufgewogen. Rückblickend auf die europäische Moderne seit der Ro
 mantik zeigt sich indes\, dass der Prozess der ästhetischen Autonomisieru
 ng nicht rundweg zur Entwertung moralischer Kategorien führte. Diese wurd
 en vielmehr auf das Kunstwerk selbst übertragen\, wie die Untersuchungen 
 von Michael Fried\, Stanley Cavell oder Robert Pippin zu Authentizität un
 d (Selbst-)Betrug zeigen. Ein Kunstwerk als «falsch» zu bezeichnen\, ohn
 e dem Künstler damit notwendigerweise zu unterstellen\, er habe es in bet
 rügerischer Absicht angefertigt\, ist ein genuin modernes ästhetisches U
 rteil. Es beruht auf zumindest zwei Voraussetzungen: Erstens\, dass (Selbs
 t-)Betrug bzw. Authentizität nicht an einzelnen Handlungen\, sondern am g
 esamten Bildungsprozess des Subjekts hervortreten\; und dass im Kunstwerk 
 dieser Bildungsprozess zum Ausdruck kommt. \\r\\nWenn Subjektivität durc
 h expressive Tätigkeit ausgebildet wird\, wie Charles Taylor in «Sources
  of the Self» für die Moderne annimmt\, so ist das je einzelne Werk nur 
 eine Episode in diesem Prozess\, der das Leben in seiner Totalität umfass
 t. Kunst wird so zur Lebensaufgabe. Gemeint ist damit aber nicht die Hinga
 be der Künstler*innen an die Kunst als Beruf und an ihre besonderen profe
 ssionellen Fertigkeiten. Das Kunstwerk\, obwohl immer auch ein Artefakt\, 
 bringt zugleich zum Ausdruck\, was nicht als Fertigkeit gemeistert wird\, 
 sondern dem Subjekt vielmehr im Leben und der Kunstproduktion als Kraft wi
 derfährt (vgl. Christof Menke\, «Die Kraft der Kunst»). \\r\\nKunst al
 s Lebensaufgabe fordert das Subjekt daher als ganzes\, in seiner Totalitä
 t\, d.h. sowohl als tätiges wie auch leidendes Wesen. Ob sie gelingt oder
  scheitert\, ist dabei eine Frage\, die sich nicht erst im Rückblick bean
 tworten lässt – vom Standpunkt des abgeschlossenen Gesamtwerks und dami
 t des Todes. Sie stellt sich vielmehr in der Mitte des Lebens vor jedem ei
 nzelnen Kunstwerk\, insofern dieses seine Bedeutung vor dem Horizont der b
 ereits vollendeten und der erst zu schaffenden Werke erhält. \\r\\nDiese
  Perspektive auf das Kunstwerk wirb ein neues Licht auf die Frage nach dem
  Verhältnis von Ästhetik und Ethik. Denn sie legt nahe\, dass die Idee e
 iner genuin ästhetischen Betrachtung des Lebens\, als eines Lebens in der
  Möglichkeitsform\, wie Kierkegaard das Ästhetische deutet\, der ethisch
 en Betrachtung des Lebens nicht entgegensteht\, sondern untrennbar mit ihr
  verwoben ist. Denn was auch immer das Kunstwerk darstellt\, so bezeugt es
  doch die Suche nach einer Einheit\, die sich dem Individuum mehr „zeigt
 “ als von ihm geschaffen wird. Iris Murdoch nennt dies die „Souveräni
 tät des Guten“. Der Workshop verfolgt das Ziel\, diese hier knapp anged
 euteten Zusammenhänge von Kunst und Leben\, Ausdruck und Totalität in ph
 ilosophisch-systematischer wie auch in kunsthistorischer Hinsicht näher z
 u bestimmen.\\r\\nAnmeldung per Email an Larissa Dätwyler [mailto:larissa
 .daetwyler@unibas.ch?subject=Workshop%20Moderne%20Kunst%20als%20Lebensaufg
 abe].\\r\\nVortragendeStina Bäckström (Stockholm): Expression of charact
 er in life and in literature.Larissa Dätwyler (Basel): Dieter Roths ‘Mo
 ral Luck’Luca Illetterati (Padua): 'Die richtige Perspektive': Kunst als
  Erfahrung von Grenzen.Andrea Kern (Leipzig)Markus Klammer (Basel)Rahel Vi
 llinger (Zürich): Umgang mit dem Nicht-Machbaren. Kunst bei ValéryBarbar
 a Wittmann (Berlin)Ralph Ubl (Basel)\\r\\nHeike-Karin Föll (Berlin) Disku
 tantin 
X-ALT-DESC:<p>Die moralischen Erwartungen an Künstler*innen haben in der G
 egenwart an Gewicht gewonnen und werden mitunter gegen die künstlerische 
 Autonomie aufgewogen. Rückblickend auf die europäische Moderne seit der 
 Romantik zeigt sich indes\, dass der Prozess der ästhetischen Autonomisie
 rung nicht rundweg zur Entwertung moralischer Kategorien führte. Diese wu
 rden vielmehr auf das Kunstwerk selbst übertragen\, wie die Untersuchunge
 n von Michael Fried\, Stanley Cavell oder Robert Pippin zu Authentizität 
 und (Selbst-)Betrug zeigen. Ein Kunstwerk als «falsch» zu bezeichnen\, o
 hne dem Künstler damit notwendigerweise zu unterstellen\, er habe es in b
 etrügerischer Absicht angefertigt\, ist ein genuin modernes ästhetisches
  Urteil. Es beruht auf zumindest zwei Voraussetzungen: Erstens\, dass (Sel
 bst-)Betrug bzw. Authentizität nicht an einzelnen Handlungen\, sondern am
  gesamten Bildungsprozess des Subjekts hervortreten\; und dass im Kunstwer
 k dieser Bildungsprozess zum Ausdruck kommt.<br />&nbsp\;</p>\n<p>Wenn Sub
 jektivität durch expressive Tätigkeit ausgebildet wird\, wie Charles Tay
 lor in «Sources of the Self» für die Moderne annimmt\, so ist das je ei
 nzelne Werk nur eine Episode in diesem Prozess\, der das Leben in seiner T
 otalität umfasst. Kunst wird so zur Lebensaufgabe. Gemeint ist damit aber
  nicht die Hingabe der Künstler*innen an die Kunst als Beruf und an ihre 
 besonderen professionellen Fertigkeiten. Das Kunstwerk\, obwohl immer auch
  ein Artefakt\, bringt zugleich zum Ausdruck\, was nicht als Fertigkeit ge
 meistert wird\, sondern dem Subjekt vielmehr im Leben und der Kunstprodukt
 ion als Kraft widerfährt (vgl. Christof Menke\, «Die Kraft der Kunst»).
 <br />&nbsp\;</p>\n<p>Kunst als Lebensaufgabe fordert das Subjekt daher al
 s ganzes\, in seiner Totalität\, d.h. sowohl als tätiges wie auch leiden
 des Wesen. Ob sie gelingt oder scheitert\, ist dabei eine Frage\, die sich
  nicht erst im Rückblick beantworten lässt – vom Standpunkt des abgesc
 hlossenen Gesamtwerks und damit des Todes. Sie stellt sich vielmehr in der
  Mitte des Lebens vor jedem einzelnen Kunstwerk\, insofern dieses seine Be
 deutung vor dem Horizont der bereits vollendeten und der erst zu schaffend
 en Werke erhält.<br />&nbsp\;</p>\n<p>Diese Perspektive auf das Kunstwerk
  wirb ein neues Licht auf die Frage nach dem Verhältnis von Ästhetik und
  Ethik. Denn sie legt nahe\, dass die Idee einer genuin ästhetischen Betr
 achtung des Lebens\, als eines Lebens in der Möglichkeitsform\, wie Kierk
 egaard das Ästhetische deutet\, der ethischen Betrachtung des Lebens nich
 t entgegensteht\, sondern untrennbar mit ihr verwoben ist. Denn was auch i
 mmer das Kunstwerk darstellt\, so bezeugt es doch die Suche nach einer Ein
 heit\, die sich dem Individuum mehr „zeigt“ als von ihm geschaffen wir
 d. Iris Murdoch nennt dies die „Souveränität des Guten“. Der Worksho
 p verfolgt das Ziel\, diese hier knapp angedeuteten Zusammenhänge von Kun
 st und Leben\, Ausdruck und Totalität in philosophisch-systematischer wie
  auch in kunsthistorischer Hinsicht näher zu bestimmen.</p>\n<p>Anmeldung
  per Email an <a href="mailto:larissa.daetwyler@unibas.ch?subject=Workshop
 %20Moderne%20Kunst%20als%20Lebensaufgabe">Larissa Dätwyler</a>.</p>\n<p>V
 ortragende<br />Stina Bäckström (Stockholm): Expression of character in 
 life and in literature.<br />Larissa Dätwyler (Basel): Dieter Roths ‘Mo
 ral Luck’<br />Luca Illetterati (Padua): 'Die richtige Perspektive': Kun
 st als Erfahrung von Grenzen.<br />Andrea Kern (Leipzig)<br />Markus Klamm
 er (Basel)<br />Rahel Villinger (Zürich): Umgang mit dem Nicht-Machbaren.
  Kunst bei Valéry<br />Barbara Wittmann (Berlin)<br />Ralph Ubl (Basel)</
 p>\n<p>Heike-Karin Föll (Berlin) Diskutantin<br />&nbsp\;</p>
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