Alisha Stöcklin

Alisha Stöcklin


Doktorandin (eikones)

Büro

Rheinsprung 9/11
4051 Basel
Schweiz

Doktorandin (Philosophisch-Historische Fakultät)


Alisha Stöcklin hat Deutsche Philologie (BA) bzw. Deutsche Literaturwissenschaft (MA) und Philosophie an der Universität Basel studiert und mit einer Arbeit zum Verhältnis von Kunst und Wahrheit in Theodor W. Adornos Ästhetischer Theorie abgeschlossen. Neben dem Studium hat sie die Ausbildung zur Gymnasiallehrerin absolviert. Von 2015–2018 war sie Hilfsassistentin am Philosophischen Seminar (Lehrstuhl für Geschichte der Philosophie bei Prof. Dr. Gunnar Hindrichs). Sie realisiert regelmässig Projekte im Bereich Lyrikvermittlung. 2012 rief sie den Tag der Poesie wieder ins Leben, den sie seitdem jährlich durchführt und seit 2014 betreibt sie das Basler Poesietelefon. Ausserdem betreut sie innerhalb der Fachgruppe der GGG Förderstelle für junge Kulturprojekte (Kultur-Kick) die Sparte Literatur und ist Teil der Gruppe, die das Internationale Lyrikfestival organisiert und den Basler Lyrikpreis vergibt. Seit 2018 ist sie Mitglied der eikones graduate school und arbeitet an einem literaturwissenschaftlichen Dissertationsprojekt zur Bildlichkeit in der Gegenwartslyrik. 

»Was zu dir stand | an jedem der Ufer, | es tritt | gemäht in ein anderes Bild.«


Bildlichkeit und Negativität in der Lyrik der Gegenwart

Das primäre Interesse des Projekts richtet sich auf die Lyrik der Gegenwart und den an ihr zu beschreibenden Zusammenhang von Bildlichkeit, Negativität und Subjektivität. Im Zentrum steht die These, dass sich Bildlichkeit in der modernen Lyrik (ab 1945) als Negativität formiert.
Die Geschichte der Kunst überhaupt und auch die Entwicklung der modernen Lyrik ist gezeichnet von Auseinandersetzungen mit Möglichkeiten und Beschränkungen der Form.

Negativität lässt sich im Anschluss daran zunächst in Bezug auf die Form der Erfahrung und des Weltbezugs verstehen, strukturell aber als Reflexionskategorie, als Bewegung der Sache und des Gedankens: Sprengungen traditioneller Schemata, des abgeschlossenen Werkcharakters und klassischer Genregrenzen führen zu einer Steigerung der Reflexivitätsmomente, indem die ästhetischen Gebilde nur umso mehr in sich selbst kreisen, desto weniger sie sich der Dialektik von Form und Inhalt zu entziehen vermögen. Anhand der verschiedenen Weisen des Selbstbezugs, die sich textimmanent, sowie auf einer produktions- und auf einer rezeptionsästhetischen Ebene beschreiben lassen, kann sichtbar gemacht werden, wie sich moderne Subjektivität auf dem Boden der Negativität selbst darstellt und zu erfassen sucht und wie sich dieser Komplex zusammenschliesst mit der Modalität des Bildes: Weil der poetischen Sprache aus sich selbst heraus eine Dimension von Bildlichkeit eignet, indem sie ihre Funktionen und ihre Materialität thematisch werden lässt und damit exponiert, ist Selbstreferentialität einer der primären Anschlusspunkte für eine Strukturanalyse der Gegenwartslyrik und ihres partikularen Umgangs mit Bildern.

Die gegenwärtig sich intensivierende literaturwissenschaftliche Debatte um poetische Bildlichkeit prägten bislang insbesondere Untersuchungen zu Durs Grünbein und Thomas Kling. Ein anspruchsvolles, aufgeladenes Verständnis von Bildlichkeit zeichnet die Poetiken beider aus und auch wenn die jeweiligen Werke stark divergieren, blieben sie letztlich je auf ihre Weise stilbildend für die 1990er Jahre und darüber hinaus.

Sie stehen zugleich aber auch in einer Traditionslinie mit der Nachkriegslyrik, innerhalb der die Sprachbilder von Paul Celan in ihrer Hermetik und Originalität von diskursbegründender Kraft waren. Somit bilden die Textkörper dieser drei Autoren erste wichtige Knotenpunkte in der Ausbildung eines Begriffs moderner poetischer Bildlichkeit. Die Frage danach, ob und wie bildtheoretische Ansätze für das Verständnis zeitgenössischer Lyrik fruchtbar gemacht werden können, verschafft sich zunehmend Gehör innerhalb der Literaturwissenschaft. Aber eine Auswertung und Systematisierung verschiedener Zugänge zu ihrer Beantwortung, die Entwicklung eines explizit bildtheoretischen Beschreibungsvokabulars in Bezug auf die Deutung poetischer Sprachbilder, eine umfassende Analyse der Gegenwartslyrik hinsichtlich ihres Umgangs mit Bildern, die eine konzeptuelle Bearbeitung von Bild und Negativität und eine Beschreibung der epistemologischen Funktionalität dieser Beziehung beinhaltet, steht noch aus.