15 Sep 2022
18:15

Ort:
Kunstmuseum Basel | Neubau, Eventfoyer

Veranstalter:
Kunsthistorisches Seminar in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Basel

Öffentliche Veranstaltung

Festvortrag zu Ehren von Prof. Dr. phil. Gottfried Boehm

Claudia Blümle: «Nach Tische wird die Aldobrandinische Hochzeit [...] aufgezogen.» Inszenierte Seherlebnisse vor Goethes Bildvorhang

G Boehm 80 Jahre Festvortrag

Abbildung: Zugezogener Bildvorhang aus grüner Seide vor der Aldobrandinischen Hochzeit, Junozimmer, Goethes Haus am Frauenplan in Weimar. Fotografie: Claudia Blümle

Begrüssung: Josef Helfenstein, Direktor Kunstmuseum Basel
Einführung: Ralph Ubl, Professor Kunsthistorisches Seminar Universität Basel
Festvortrag: Claudia Blümle, Professorin Institut für Kunst- und Bildgeschichte Humboldt-Universität zu Berlin
Apéro

Der Vortrag ist öffentlich und ohne Anmeldung zugänglich.  


Festvortrag
Besucht man heute Goethes Haus am Frauenplan in Weimar, begegnet man im Junozimmer einer Kopie eines pompejanischen Wandbildes, das links und rechts  von einem grünen Vorhang gerahmt ist. Das Zugsystem mit doppelt durchgezogenen Schnüren weist darauf hin, dass dieser wie automatisch geöffnet und geschlossen werden kann. Goethe selbst entwarf diese Inszenierung des Bildes und er gewährte nur wenigen ausgewählten Gästen einen Blick hinter den Vorhang. So wurde dieser nach dem Abendessen als ein besonderes Ereignis aufgezogen, und das Bild erschien durch den draußen auf den Dächern liegenden Schnee in einer schönen Beleuchtung. 
Goethe schließt an einen damals verbreiteten Umgang mit Gemälden an, sie mit  
Hilfe eines Vorhangs zu verhüllen und zu enthüllen. Ziel dieser Praxis war es jeweils,  den Akt des Anschauens zu akzentuieren und die Bilder als Objekte einer gesteigerten Sichtbarkeit dem Blick darzubieten. Mit der ästhetischen Autonomie der Kunst und einem auf Sichtbarkeit gerichteten Zeigen in den Museen beginnen um 1800 die Bildvorhänge zu verschwinden. Der Vortrag widmet sich Goethes Kunstverständnis und der damit verbundenen Betrachtung von Kunst, die mit einem Bildvorhang installiert wird und dabei räumlich eine ikonische Differenz fortsetzt, die sich an ein sehendes Sehen adressiert.

Gottfried Boehm ist Kunsthistoriker, Philosoph und emeritierter Professor für Neuere Kunstgeschichte sowie Gründungsdirektor des schweizerischen nationalen Forschungsschwerpunkts Bildkritik / Eikones an der Universität Basel. 2016 war er Fellow am Getty Institute, Los Angeles; 2017 erhielt er den Judd-Hume-Prize der Universität Edinburgh.


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