SNF-Ambizione-Projekt: Healing Arts. Representations and Practices of Medical Knowledge in Art and Literature, 9th–12th centuries

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Das nachantike Interesse an Pharmakologie und Botanik war besonders im 9. und 10. Jahrhundert sehr hoch: Herbarien mit aufregenden Pflanzenbildern, Gedichte pharmakologischen Inhalts, sowie zuvor unbekannte Inhaltsstoffe, die über die neuen Handelsrouten in den Westen gelangten und Eingang in die Text- und Bildkultur fanden, verdeutlichen die Bedeutung, die der Heilkunst insgesamt zugesprochen wurde. Ziel des Projektes ist es, dieser Verflechtung von Kunst, Literatur und Pharmakologie in der Vormodern nachzugehen.

Inwieweit Kunst und Literatur in ein spannungsvolles Wechselverhältnis mit pflanzlichen Arzneimitteln treten und sogar selbst als Teil der Heilkunst gedacht werden können, wird anhand von drei Aspekten analysiert. 1. Herbarien: hier liegt der Fokus auf dem Informations- und Wissensgehalt der Bilder, d.h. welche Informationen liefern die Bilder jenseits der Frage, ob die Pflanzen aus moderner Sicht botanisch korrekt sind. 2. wird nachgezeichnet, wie das in den Herbarien vermittelte Wissen auf andere Kontexte (vegetative Ornamente) und Medien (pharmakologische Gedichte) übertragen wurde. Die Beziehung zwischen Medizin und Religion, wie sie in Darstellungen von Christus als Arzt oder Asklepios als Christus zum Ausdruck kommt, bildet den 3. Untersuchungsstrang. Dabei wird auch der praktische Gebrauch von materieller und literarischer Kultur (Arzneikästchen/Heilgedichte) als potente Therapeutika analysiert.

Methodische Ansätze aus der Wissenschaftsgeschichte werden für das Mittelalter ebenso fruchtbar gemacht wie Fragen zur Botanik, Ökologie und Gesundheitsvorsorge. Dadurch zeigt das Projekt einerseits die Bedeutung des pharmakologischen Bild- und Textwissens als auch die Rolle, die Wort und Bild bei der Gestaltung solcher Wechselwirkungen einnehmen.