Dr. Gerlinde Verhaeghe
Gastforscherin
Philosophisch-Historische Fakultät
eikones – Zentrum für die Theorie und Geschichte des Bildes

Gastforscherin

Rheinsprung 9/11
4051 Basel
Schweiz

gerlinde.verhaeghe@unibas.ch

Dr. Gerlinde Verhaeghe ist Postdoktorandin bei eikones – Zentrum für Bildtheorie und Bildgeschichte. Ihr Forschungsprojekt „Domesticating Fascism: Women Shaping Domestic Cultures, Design and Aesthetics in Fascist Italy “ wird durch das Return CH Postdoc.Mobility Stipendium des SNF gefördert. Es knüpft an zwei Forschungsaufenthalte in Italien – an der Politecnico di Milano und der Politecnico di Torino – an während derer sie die Aktivitäten und Ausstellungen des in Turin ansässigen Frauenvereins Pro Cultura Femminile zum Thema domesticity in der Zwischenkriegszeit untersuchte.

Zuvor war sie als Forschungsstipendiatin am gta – Institut für Architekturgeschichte und -theorie, am Canadian Centre for Architecture und am Istituto Svizzero in Mailand tätig. In ihrer Doktorarbeit in Architekturgeschichte an der ETH Zürich (2024) untersuchte sie die privaten Innenräume des italienischen Architekten und Designers Carlo Mollino aus der Perspektive der Kabinett-Typologie (1935–1945). 

Vor ihrem Doktorat war Gerlinde Verhaeghe wissenschaftliche Mitarbeiterin an der KU Leuven. Sie hat durch ihr Schreiben, ihre kuratorische und redaktionelle Arbeit zum öffentlichen Architektur- und Designdiskurs beigetragen. Ihre Artikel und Rezensionen zu Möbeldesign, Innenarchitektur und Architektur erschienen in A+, aer, Scroope, Trans, Oase und SRSA – der Zeitschrift der Italienischen Gesellschaft für Architekturgeschichte. Ihre Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle zwischen Wohnarchitektur, Kultur-, Medien- und Genderforschung, wobei ihr Forschungschwerpunkt auf dem Italien der Zwischenkriegszeit liegt.

Domesticating Fascism untersucht die häusliche Sphäre – in die das italienische faschistische Regime Frauen einzuschränken suchte – aus der Perspektive der Architektur- und Designgeschichte. Das Projekt schlägt vor, diesen Bereich während des faschistischen Ventennio nicht nur als Raum der reproduktiven, sondern auch der kreativen Arbeit von Frauen zu betrachten.

Der häusliche Bereich, der traditionell Frauen zugewiesen war, galt lange Zeit als minderwertig und wurde als Instrument der Kontrolle und Unterordnung von Frauen angesehen. Faschismusforscher haben untersucht, wie das patriarchalische italienische faschistische Regime Frauen durch eine Zusammenwirkung von Politik, Initiativen und Institutionen unterordnete und versuchte, sie in einen separaten, domestizierten Kulturbereich einzubinden. Während das faschistische Regime den Handlungsspielraum von Frauen einschränkte, indem es sie an den häuslichen Bereich band, eröffnete die Kulturpolitik, die es entwickelte, um Frauen in das nationale Leben einzubinden, allerdings auch neue Möglichkeiten und regte Frauen dazu an, die häusliche Kultur mitzugestalten. Künstlerinnen, Designerinnen, Schriftstellerinnen und Kunsthandwerkerinnen schufen eine grosse Vielfalt an Werken im, über und für das italienische Heim in dem Rahmen, den die Politik des Regimes erlaubte. Die „Return“-Phase dieses Projekts untersucht, wie Frauen, die im Bereich der Innenausstattung, des Designs und der Wohnraumgestaltung tätig waren, den Faschismus domestizierten, und beleuchtet dabei konkrete Wege, auf denen Frauen den Diskurs über das Häusliche prägten.

Das Projekt befasst sich mit kultureller Produktion und legt dabei den Schwerpunkt darauf, wie sich im Italien der Zwischenkriegszeit in einer Zeit politischer Umbrüche soziale, politische und ästhetische Kräfte im häuslichen Bereich überschneiden. Aus historischer Perspektive zielt das Projekt darauf ab, zu einem besseren Verständnis der Rolle der Frauen im faschistischen Italien beizutragen und ein differenziertes Bild der Beiträge von Frauen zu Architektur, Design und Kunst sowie der Beziehung zwischen häuslicher Kultur und Politik im weitesten Sinne zu vermitteln. Mit Blick auf aktuelle kulturelle und politische Entwicklungen will das Projekt Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen den Brüchen und Umwälzungen der Zwischenkriegszeit und heutigen kulturellen Kontroversen beleuchten.

Projektbild

Roberto Aloi, Umschlagbild von Lidia Morelli’s Come sistemare e governare la mia casa (Milan: Ulrico Hoepli, 1932). Mit freundlicher Genehmigung von Editore Hoepli, Milano.

Nach oben